von Werner Gietzelt aus Sadisdorf
Erholsame Gartentätigkeiten in Sadisdorf
Das Kleingartenwesen in Sadisdorf hat eine lange und bewährte Tradition. Unmittelbar nach dem Krieg wurde in der großen Notzeit die Gartenanlage in der Größe von 6000 m², aufgeteilt in ca.50 bis 60 kleine Parzellen, errichtet. Für viele Sadisdorfer Einwohner, darunter vor allem viele Vertriebene oder Umsiedler, bedeutete das damals, die Überlebenschance zu verbessern. Wenn eine Parzelle von 100 m² frei wurde, stritten sich mitunter 20 bis 30 neue Bewerber darum. Bis zur Wende gab es ein reges Vereinsleben mit Faschings-, Tanz- und sonstigen Veranstaltungen sowie gemeinsamen Busausfahrten. Dünge- und Futtermittel wurden über den Kleingartenverein für die Mitglieder beschafft.
Nach der Wende und Wiedervereinigung 1989/90 setzten auch hier sofort Veränderungen ein. Mit der Wegwerfmentalität, die sich teilweise auf einigen Gebieten entwickelte, wurden nicht nur SED-Parteidokumente weggeworfen, es wurden auch massenweise die Mitgliedskarten des VKSK zurückgegeben und die Gartenparzellen gekündigt. Es war ja viel einfacher und bequemer, das Gemüse in den Supermärkten zu kaufen. So wollte damals fast niemand mehr einen kleinen Garten bestellen.
Bis 1989 fehlte die Einzäunung für die Anlage, was sich als nachteilig erwies, da ab und an Wildschäden auftraten. Einige Gartenfreunde zeigten aber zu diesem Zeitpunkt Flagge und setzten alles daran, die Anlage für den Ort zu erhalten. Ein harter Kern von Gartenfreunden entschloss sich, völlig mit eigenen Mitteln und in freiwilligen, unbezahlten Einsätzen eine Einzäunung für die Anlage zu errichten. Die Aufrechterhaltung der Gartenanlage mit den noch verbliebenen Parzellen war indessen nur möglich, weil sich zusätzlich noch einige Freunde aus dem Ort fanden, die bereit waren, die offenen Restflächen mit Feldfrüchten und Grünfutter zu bestellen. Es bildete sich so eine „Feldbau- und Gartengemeinschaft“, die sich seitdem mit einem einfachen Status im harmonischen Zusammenwirken sehr bewährt hat.
Wir sind bereit, die Anlage auch weiterhin für den Ort zu erhalten. Erfreulicherweise haben sich in letzter Zeit einige junge Leute wieder für eine kleine Gartenparzelle interessiert und wir konnten die Wünsche erfüllen. Es werden hiermit die jüngeren Einwohner von Sadisdorf oder unmittelbarer Umgebung angesprochen, sich für weitere kleine Parzellen zu interessieren. Aber auch für Freunde, die eine etwas größere Fläche mit moderner Technik (Kleintraktoren mit entsprechenden Geräten) zum Anbau von Feldfrüchten bearbeiten wollen, bieten sich noch Möglichkeiten. Es eröffnen sich sozusagen für „Kleinagrarier“, die zu konstruktiver Mitarbeit in unserer Anlage bereit sind, Möglichkeiten, sich einige agrarwirtschaftliche Praktiken anzueignen. So könnten neben Futtermitteln auch Speisekartoffeln in einwandfreier Qualität und bester Beschaffenheit für die Wintereinlagerung angebaut werden.
Das von früher her verpönte endlose Schuften mit Hacke und Spaten in den Gärten ist heute kaum noch vorstellbar, denn auch für die Bearbeitung von Kleinstflächen gibt es moderne Technik. Im Übrigen tragen die leichten Gartentätigkeiten vor allem zur Gesunderhaltung und zum Erhalt der Spannkraft der Menschen bei. Nach Verrichtung der Tätigkeiten kann sich jeder dort auch einen erholsamen Aufenthalt gönnen mit Blick über das Tal Naundorf und Schmiedeberg auf das schöne Kohlberg-Panorama.
Interessenten für die Feldbau/Gartenanlage setzen sich bitte mit dem Vorstand, Werner Gietzelt, oder dem Beauftragten für die Anlage, Frank Müller, in Verbindung.
von Werner Gietzelt aus Sadisdorf