Herbert Alvers studierte von 1928 bis 1931 Kunsterziehung und Pädagogik in Dresden, arbeitete danach an verschiedenen Schulen um Dresden und bekam 1936 seinen Einsatz als Lehrer in Paulsdorf und später in Kipsdorf. Der Krieg unterbrach auch seine Laufbahn und als er aus der Gefangenschaft nach Hause kam, stand er wie viele andere vor einem Scherbenhaufen. Wohnen durfte er mit seiner Familie, Dank der Zuneigung des neuen Bürgermeisters Kempe von Kipsdorf, in der Schule. Auch eine Beschäftigung fand er bald im Forst und beim Steine klopfen.
Ab 1952, nach 7 Jahren endlich, wiederum durch Vermittlung eines Beamten im Volksbildungsministerium, durfte Herbert Alvers wieder Kinder unterrichten. Dieses Mal die Oberstufe der Schmiedeberger Schule. Schon 1948 erhielt Herbert Alvers die Anerkennung als ständiger Maler und Grafiker durch die Kulturprüfungskommission Dip-poldiswalde. Wenn man ihn nicht mit seinen Schülern, natürlich nach Unterricht durch die Natur streifen sah, immer eine Traube um sich herum, konnte man ihn irgendwo am Waldrand mit dem Skizzenblock sitzen sehen, um neue Motive einzufangen. Über seine Lehrertätigkeit sagte er selbst: „Zum Leidwesen meiner Vorgesetzten stand im Mittelpunkt meines Unterrichts immer die eigene Darstellung, deshalb hatte ich auch immer ein gutes Verhältnis besonders zu den 9. und 10. Klassen. Das war auch der Grund, warum ich weitere 7 Jahre über meine Pension hinaus als Lehrer in Schmiedeberg arbeitete. Doch dann gab es Spannungen und ich widmete mich nur noch der Volkskunst.“ Zur außerunterricht-lichen Tätigkeit erinnere ich mich heute noch an Chor, Musik- und Tanzgruppe, sogar einen Zirkus hatten wir einmal auf die Beine gestellt.Unsere Auftritte waren meist im Kinosaal, aber auch im Partnerbetrieb FKS, im Haus der DSF, den Parksälen in Dippoldis-walde und den Ferienheimen der Umgebung. Wenn jemand frohe Kinder sehen wollte, brauchte er nur in unsere Nähe kommen. Nicht vergessen wollen wir auch die Kletter- und Wandertouren in der Sächsischen Schweiz oder die Ferienlager in Saalfeld und anderen Orten. Herbert Alvers hatte für seine Schüler immer Zeit. Gemeinsam mit seiner Frau Eva gestaltete er in den Ferieneinrichtungen des Osterzgebirges viele DIA-Vorträge, um den Urlaubern die Schönheit unserer Heimat sehr engagiert nahe zu bringen.
Neben seinen unzähligen Aquarellen und Federzeichnungen beschäftigte sich Herbert Alvers verstärkt im letzten Abschnitt seines Lebens mit der Holzgestaltung. Aus Brettln, Latten, Holzkugeln, Leim und Farbe entstanden auf ganz primitiver Art und Weise seine „Männl’n“. Er arbeitete das Wesentliche aus seinen Figuren heraus, und jeder Betrachter konnte sofort erkennen, um was es sich handeln sollte. So entstanden viele Sagen des Erzgebirges in Holz und Farbe, und so mancher er-kennt sich noch heute auf seinen Darstellungen. Er selbst bezeichnete sich auch nie als Schnitzer. „Ich bin der „Männl-Macher.“Ein weiterer Ausspruch seiner letzten Jahre lautete:„Bei uns ist immer Weihnachten“.
Und das mer-kte man sogleich, wenn man in die Stube trat. Enge Verbindungen unterhielt Herbert Alvers mit dem Volkskundemuseum in Dresden, dem Kreis- und Heimatmuseum in Dippoldis-walde, dem Heimatmuseum in Lauenstein, dem Lugsteinhof in Zinnwald, dem Haus der Heimat in Freital und vielen Einzelpersonen.Herbert Alvers war Ehrenmitglied des Ostsächsischen Kunstvereins.Seine Bekanntschaft zu machen war für viele ein Gewinn, denn trotz gesundheitlicher Einschnitte war er bis zu seinem Lebensende geistig überaus rege und mobil, und ich konnte es kaum fassen, als wir einen Ausflug zum Fichtelberg unternahmen:Herbert und Eva raus aus dem Auto und hoch den Berg. Aber ich lief hinterher und habe beide wieder eingefangen, denn mit 91 Jahren war das doch ganz schön gewagt.Auch der Besuch des „Pferdegöbel“ in Johanngeorgenstadt oder des Klosters „Marienstern“ in Panschwitz-Kuckau war ein nachhaltiges Erlebnis. Hellwach, kunst- und wissensdurstig wie in jungen Jahren nahm er alles in sich auf und verarbeitete es weiter.
Am 26. Juni 2000 starb Herbert Alvers im Alter von 93 Jahren in den Armen seiner Frau Eva im Krankenhaus in Dippoldiswalde und die Welt hatte einen wertvollen Menschen verloren.
Helmut Glöde