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Veranstaltungen und News der Gemeinde Schmiedeberg
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Ein Bernsteinmärchen ... Für große und kleine Leute

Es mag wohl eine halbe Million oder gar noch mehr Millionen Jahre her sein, als es auf unserer Erde ganz anders aussah, als heute.
Unermessliche, weite Wälder hatten sich ausgebreitet. Schuppen-, Siegel- und Nadelbäume von riesigem Ausmaß ragten hoch hinein in den Himmel und die Bäume hatten solch einen Umfang, dass wohl zehn Männer nicht imstande gewesen wären, solch einen Baum zu umfassen. Farngewächse, fast so hoch wie unsere heutigen Fichten wuchsen dazwischen. Pflanzen- und fleischfressende Saurierherden durchwanderten die Wälder, um ihren Hunger zu stillen. Wenn solche Horden von Pflanzenfressern durch die Wälder streiften, dann rissen sie riesige Äste von den Bäumen und entwurzelten sie mitunter, um sich am Blätterwerk zu laben. An den Stämmen der Bäume wurden dann große Wunden gerissen und Unmengen des Harzblutes rann in Strömen an den Stämmen hinab aufs Erdreich. Dieses Harz gerann in Verbindung mit dem Sauerstoff sehr rasch. Es verdichtete sich und wurde im Laufe der Zeit steinhart und zu fossilem Harz, dem späteren Kopal und Bernstein.


Als das Harzblut wie Honig hinabrann, da kam eines Tages ein kleines Mückenmädchen angeschwirrt und das flüssige Harz roch so angenehm würzig, so dass es sich daran laben wollte. Da, mit einem Male: „Tropf, tropf, tropf“, wurde es von dieser klebrigen Süßigkeit übergossen und eingeschlossen. Schon seit geraumer Zeit wurde dieses Mückenmädchen von einem Mückenjüngling verfolgt. Er hatte ein Auge auf sie geworfen und mächtig verliebt, wie er war, folgte er ihr. Kurzentschlossen setzte er sich neben seine Angebetete und schleckte ebenfalls vom Harz. Und siehe da: „Tropf, tropf, tropf,“ erging es ihm ebenso, wie dem kleinen Mückenfräulein. Von weitem wurden beide schon ein Weilchen belauscht und zwar von einer gierigen Vieraugenspringspinne und eben, als sie zum Sprunge ansetzen wollte, da erteilte sie das gleiche Schicksal. So waren sie nun gefangen und eingeschlossen, seit langer, langer Zeit. Dann kam eines Tages eine riesengroße Flut über den Erdball. Dort, wo die riesigen unermesslichen Wälder standen, überschwemmten nun Ozeane das weite Land. Die Wälder und mit ihnen die Lagerstätten der Baumharze gingen unter in den Fluten der Meere und auch die größeren und kleineren Urtiere wurden durch diese Naturkatastrophe ausgerottet. Ausgrabungen an verschiedenen Punkten unseres Erdballs zeugen heute noch davon, wie es vor vielen Millionen Jahren auf unserem Planeten aussah. Die älteren Baumharze wurden durch den Druck des Wassers in der Tiefe immer mehr verdichtet und verhärtet und der Sand rieb so lange an ihrer Oberfläche, bis sie richtig blank und durchsichtig wurden. Tausende Kilometer wurden diese Bernsteine, auch Tränen der Götter genannt, von den Wellen und Meeresbewegungen weitergetra-gen. An vielen Stränden dieser Weltenmeere gehen seitdem die Bernsteinsucher auf Suche und man kann sie beobachten, wie sie tiefgebeugt im Sande wühlen und den Tang auseinanderreißen, in der Hoffnung, ein paar Stückchen oder auch einmal einen größeren Fund zu erhaschen. Sie erfreuen sich über jedes kostbare Bernsteinchen. Dann halten sie es gegen das Sonnenlicht und wenn sie Glück haben, sind Insekten und anderes Kleingetier in ihm eingeschlossen und dieser kleine „gläserne Sarg“ aus der Urzeit, ist der Beweis für eine längst vergangene Ära. Dort, wo das Meer nicht hinkam, versanken die Baumharze im Erdreich. Bis in 3 Meter Tiefe werden sie nun ausgegraben und abgebaut. In riesigen Flötzen liegen sie ebenfalls seit langer, langer Zeit begraben. Sie sind mit einer festen Verwitterungsborke umgeben und müssen nach ihrem Fund gereinigt, aufwendig geschliffen und poliert werden und dann erst offenbart sich das Wunder der Natur.
Als eifriger Mineraliensammler, fand ich seit einiger Zeit auch Gefallen am Bernstein und am Kopal, dem fossilen Baumharz. Ich schliff, polierte und erfreute mich immer wieder, wenn ich Einschlüsse von den vielfältigen Arten der Insekten entdeckte. Da, eines Tages, als ich wieder einmal gespannt durch mein Mikroskop hindurchschaute, entdeckte ich dieses wunderschöne Mückenpärchen aus längst vergangener Zeit und in meiner Entdeckerfreude erkannte ich weiter hinten diese lauernde vieräugige Jagdspinne. Ach, wie ich mich freute, dass sie die beiden verliebten Mücken damals nicht erhaschen konnte. So sind sie mir doch erhalten geblieben. Die Liebe ist doch etwas Wunderbares. Ob im Menschen, im Tier oder auch in den kleinsten Insekten. Jedoch die Liebe, sie ist vergänglich auf unserer Welt und sie kommt und vergeht mit unserem Leben und nur im Bernstein selbst, da bleibt sie für immer und ewig sichtbar, so wie bei diesen beiden winzigen Mücken.

Franz Lorber
Http://www.franz-lorber.de

Eingereicht in Zuschriften von Gemeindeamt am Montag, 02. April 2007
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