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AUF EIN BILD-WORT ... von Johannes Lorenz
zur Karikatur aus einer Kölner Tageszeitung, die man in Verbindung mit „Christi Himmelfahrt“ sehen kann – unter der Überschrift „Himmelwärts!“.
Es war einmal eine Tankstelle, die fuhr gen Himmel. So sah es jedenfalls ein Karikaturist vor kurzem. Und der Autofahrer sah hinauf und wunderte sich. Die Himmelfahrt war zu erwarten gewesen. Die Spritpreise kletterten immer in die Höhe, der Staat erhöhte Steuern, die anderen wollten am Benzinverkauf verdienen. Autofahrer fragten sich: Muss ich jetzt wieder zu Fuß gehen? Oder sollen wir mit dem Bus oder der Bahn fahren? Die politische Diskussion schwappte hin und her. Und natürlich wollte keiner Schuld sein. Währenddessen lösten sich mit jeder Preiserhöhung einige Halteschrauben, bis schließlich die Tankstelle zu schweben begann. Erst war es eine kaum merkbare Holper-stelle beim Ein- und Ausfahren, dann mussten Rampen gelegt werden; schließlich halfen auch superlange Schläuche nicht mehr, um Autos wenigstens auf der vorbeiführenden Straße zu befüllen. Und die Leute, denen die Tankstelle längst die Kneipe und die Einkaufsstelle ersetzt hatte, die kamen auch mit langen Leitern nicht mehr rauf. Blöd für den Tankstellen-pächter. Der machte kein Geschäft mehr. Und damit die Ölkonzerne auch nicht. Und die Menschen, die auf das Auto angewiesen waren, guckten ratlos und wurden wütend. Es passierte was. In einer gewaltigen Wuselei zogen die Politiker auf einer Seite, die Auto-fahrerlobby und die Spediteure zogen auch mit, und die Ölförderländer und Konzerne merkten, dass sie sich mit einer zum Himmel gefahrenen Tankstelle selber schadeten. Bei all diesem Ziehen und Zerren kam die Tankstelle schließlich wieder runter auf den Boden. Die Preise blieben zwar hoch und stiegen sogar weiter, aber es musste keiner mehr ins Blaue gucken, wenn er tanken oder einkaufen wollte.
Zurück zur Erde
Als Jesus sich von seinen Freunden verabschiedete und verschwand, „in den Himmel fuhr“, wie es die Bibel nennt, da blieben die Freunde verstört, ratlos, erstaunt und traurig zurück. Sie verloren
den bisherigen Mittelpunkt ihres Lebens. Die Person, die sie verge-wisserte und stärkte, war fort.
Jesus war ihnen „Tankstelle“ gewesen, auch wenn sie das noch nicht so nennen konnten: er nährte und bewegte sie, dort trafen sie sich, dort war alles gut. Ohne diesen Haltepunkt stand alles auf wackligen Füßen, ihr Glaube, die merkwürdige Botschaft von Gottes Liebe. Und wie könnten sie ohne ihn seinen Auftrag an alle Welt erfüllen? Grund genug für Zweifel und Angst. Sie konnten Jesus nicht halten, auch nicht zurück zwingen in ihre Mitte. Aber es zeigte sich schnell, dass sie in seinem Namen dennoch ihr Leben und ihre Gemeinschaft gestalten und entwickeln konnten. So brachte diese Himmelfahrt eher den Himmel auf die Erde. Denn der Glaube an Jesus Christus ist schließlich doch kein Benzin, man kann ihn nicht kaufen. Er bleibt Geschenk. Gott sei Dank.
In herzlicher Verbundenheit grüße ich Sie alle auch im Namen der Kirchenvorstände
als
Ihr Johannes Lorenz
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Eingereicht in Zuschriften von Gemeindeamt am Dienstag, 09. Mai 2006
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